Permanenter 28-Pfoten Antrieb mit zuschaltbarer 2-Fuß Schiebehilfe

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Ein Wahnsinn

Sind die Sieben Schlittenhunde einmal vor den Schlitten gespannt, gibt es kein Halten mehr. Der Fahrer muss auf der Bremse stehen. Am Besten mit beiden Beinen. Nur dann bleibt das Gespann an Ort und Stelle stehen.
Der Antrieb läuft und jault schon auf Hochtouren. Das Gespann will laufen, los, los, los….. Der Permanentantrieb zieht und ruckelt an den Seilen. Alles vibriert. Das Jaulen und Heulen steigert sich von Minute zu Minute.
Aber der Fahrer steht zum Glück noch voll auf der Bremse. Das scharf gezackte Aluminium ist mit dem gesamten Körpergewicht in den Schnee gepresst und hält das Gespann an Ort und Stelle.

Ist das Kommando zum Losfahren („Mehmet“) gegeben und löst der Fahrer die Bremse, gibt es kein Halten mehr. Die 7 Antriebe laufen mit Vollgas. Alle 28 Pfoten krallen sich wie ein 28-Fach-Allrad-Antrieb zuverlässig in den Schnee und zerren das Gespann vorwärts. Gleichzeitig verstummt sofort sämtliches Jaulen. Für den Fahrer gibt es nur noch Eins: auf den Kufen stehen bleiben, sich gut am Griff festhalten und einfach drauf bleiben. Hat man diese erste Phase des gewaltigen Schubs erst einmal erlebt, macht im Gesicht des Fahrers das ungläubige Staunen einem breiten Grinsen Platz.

🙂

Nach einer kurzen Beschleunigungsphase mit unglaublichem Schub, der dem Fahrer Alles von seinen Armmuskeln abverlangt, ist die Höchstgeschwindigkeit bald erreicht. Das Beschleunigungsruckeln geht in ein allmähliches Gleiten über, die 7 Antriebe laufen nun bei Nominaldrehzahl und werden zusehends ruhiger. Das Jaulen und Kläffen vor dem Start hat einem gleichmäßigen Trippel-Trappel der Pfoten Platz gemacht.

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Alles läuft ruhig und wie von selbst. Auf den ersten paar Kilometern macht sich beim Fahrer schnell ein Hochgefühl breit.
So schwer ist das ja gar nicht, Geil, das geht ja wie von selbst. Mit beiden Füßen auf den Kufen kann man gut die Balance halten und der Schlitten lässt sich auch super steuern ( eigentlich läuft er automatisch hinter den 7 Antrieben in der Spur hinterher ).

Doch nun geht es erst richtig los:
Bei der ersten Steigung werden die Antriebe langsamer. Der Schlitten muss ja mit dem meist „schweren“ Fahrer den Berg hinauf gezogen werden. Sinkt die Ist-Geschwindigkeit deutlich unter die Soll-Geschwindigkeit, so drehen sich die ersten Köpfe der Antriebe fragend um, wie wenn sie sagen wollten: „nun hilf uns endlich„.
Ein klarer Hinweis der Bordelektronik, nun endlich den Hilfsanschub durch rhythmisches Anschieben mit den Füßen hinzu zu schalten. Dies entlastet zum Einen den Schlitten vom Gewicht, gibt zum Anderen etwas Hilfsschub. Beides zusammen bewirkt in der Regel, dass die Ist-Geschwindigkeit zumindest nicht wesentlich tiefer sinkt.

Bei der Schiebehilfe macht sich nun bezüglich Geräusch ein gegenteiliger Effekt bemerkbar. Zunächst war nur ruhiges Atmen in der Stille der Tundra zu hören, bald wechselt dies jedoch zuerst zu rythmischem Keuchen, dann schnell zu heftigem Hecheln, übertönt mit deutlichem Herzrasen; ist der Körper doch schon mit dem Temperaturhaushalt bei -30 Grad Celsius ausreichend überfordert.

Ist dann hoffentlich bald das Ende der Steigung erreicht, übernimmt der 28-Pfoten Permanentantrieb wieder allein den Vortrieb und die Schiebehilfe kann ihre Herzfrequenz wieder in unkritische Bereiche senken.
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Wird irgendwann das Kommando zum Halten („Says“) gegeben, muss der Fahrer ein Teil seines Gewichts auf den Aluminium-Bremsbügel verlagern. Am Besten Alles! Denn der Permanentantrieb zieht unablässig weiter. Mit vollem Drehmoment = Schub. „…Wir wollen laufen, nicht anhalten !!! „

Also „Musher“ (Fachausdruck für den Fahrer des Gespanns): „Drück runter was Du hast“  (manchmal ist Gewicht auch von Vorteil ) und langsam, langsam wird das Gespann langsamer bis es schließlich zum Stillstand kommt. Der Permanentnatrieb zieht allerdings unablässig weiter, die ersten Köpfe drehen sich um und schauen ungläubig zurück als wollten sie Frage stellen „Was soll der Sch…. , wir sind doch hier zum Laufen…, Du Spassbremse“. Kaum steht das Gespann still, setzt auch das von vorher gut bekannte laute Bellen, Jaulen und Kläffen ein, welches immer lauter wird.

Zusammenfassung

  • Der Permanentantrieb will immer laufen (wie ein TDI-Motor mit zu hohem Standgas)
  • Im Stand macht es übermäßig Lärm (wie ein im Leerlauf zu hoch drehender TDI-Motor)
  • Wird die Bremse los gelassen, liegt sofort volles Drehmoment an (wie beim TDI-Motor mit hohem Standgas)
  • Bei Nenndrehzahl wird es ruhig (wie ein gut schnurrender TDI-Motor bei 3000 u/min). -> Breites Grinsen des Mushers ( TDI-Fahrers)
  • Die Geschwindigkeit ist steigungsabhängig
  • Die Schiebehilfe bringt außer lautem Schnaufen nix.
  • Bremsen beim Gespann ist wie Bremsen eines auf 3000 U/min laufendem TDI-Motors ohne Auskuppeln.

Fazit

Man kann die Fahrt mit einem Husky-Schlitten aus technischer Sicht gut mit dem Fahren eines Autos mit TDI-Motor vergleichen.
Nur dass definitiv die Hundeschlittenfahrt bei minus 30 Grad Celsius durch die Schnee und Eislandschaften in Lappland ein eindrucksvolleres Erlebnis ist.

Richtigstellung

Die in diesem Artikel verwendete Bezeichnung „Antrieb“ für den Schlittenhund soll in keiner Weise despektierlich sein, sondern dient einzig allein dem gewählten Vergleich mit bekannter Technik.

Bemerkung

Schlittenhunde sind faszinierende Geschöpfe, mit einer sehr ausgeprägten sozialen Kompetenz und ausgewöhnlichen physischen Eigenschaften. Ich fand es extrem beruhigend, dass ich mich während unserer sechsstündigen Schlittenhundefahrt bei minus 30 Grad immer auf diese Tiere verlassen konnte und dadurch sehr sicher gefühlt habe.

         

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